Donnerstag, 25. April 2013

Bulli mit elektronischem Motormanagement - Teil 3

Dies ist ein kleines Update zu zwei Posts:
Teil 2: Bulli mit elektronischem Motormanagement - Teil 2
Teil 1: Bulli mit elektronischem Motormanagement


Die hier gezeigten Bilder zeigen den Sensor aus einer Vorserie von MSS (http://www.motor-sport-service.de / http://www.mss-motormanagement.de). Markus Schmitt hat bereits einige Teile für Typ4 und Typ1 VW Boxer gebaut (Saugrohre, Triggerräder Kurbelwelle, MSS RX (Steuergerät), die Turbo Gebläsesysteme,..). Jetzt folgt ein weiterer Baustein mit dem "Nockenwellen"sensor.
Da ich nicht ganz unschuldig an dem Sensor bin, durfte ich einen der ersten Sensoren aus der Vorserie bei Markus Schmitt mitnehmen/ erwerben.


Es geht hier "nur" um ein kleines, aber wichtiges Update: Sequentielle Zündung/ Einspritzung. Hierbei kann pro Zylinder ein Zündungs/ Einspritzungskennfeld erstellt werden und auch wenn notwendig zylinderselektiv optimiert werden. Bei solchen Aufbauten wird eine sog. ruhende Zündung (mehrfach Zündspulenblock/ Stabzündkerzen) verwendet.

D.h man kann auf den Verteiler verzichten und richtige Kennfelder für die Zündung erstellen. Ein normaler Verteiler hat eine fixe Zündzeitpunktsverstellkurve (drehzahlabhängig) und Zündzeitpunktskorrektur nach früh oder spät abhängig vom Saugrohrdruck (Last). Dies hat in den 70ern gereicht, reicht aber nicht für verbrauchs-, abgasoptimierte Motoren.
Sequentielle Auslegung benötigt ein Signal der Kurbelwellenposition und der Position des 1. Zylinders in Zündungs-OT (oberer Totpunkt). Letzteres erreicht man über Ionestrommessung bei modernen Autos (z.B. Saab, Mitsubishi, BMW) oder via einem Nockenwellensensor.

Zur Erklärung: Ein 4 Zylinder-Boxer hat immer zwei Kolben in OT und zwei in UT (Kurbelwelle in Stellung OT). Von den zwei Kolben in OT ist einer in Zündungs-OT. Wenn nur das Kurbelwellensignal verwendet wird, dann weiss das Steuergerät nicht welcher der beiden Zylinder in OT gezündet werden muss (eigentlich erfolgt die Zündung vor OT, aber hier soll nur der Nutzen vereinfacht erklärt werden). Also werden beide Zylinder über die Zündspule(n) gezündet (ein Zündfunken an der Zündkerze ausgelöst). Dies nennt sich wasted spark (ein unnützer Zundfunke).

Die Nockenwellenposition ist beim VW Boxer schwer abgreifbar, da die Ölpumpe vorne ein einfaches Anbringen eines Sensors ohne grosse Gehäusebearbeitung verhindert. So bleibt also nur der Verteilerantrieb, der mit der gleichen Drehzahl wie die Nockenwelle dreht.

Und hier sind die Bilder:

Sensoreinheit mit hochwertigem AMP seal Stecker
Der Sensor besteht aus einem "Alustopfen" mit eingesetztem Sensor (oben/ unten verklebt). Der schwarze Punkt unten ist die untere Verklebung unter dem Sensor. Dieser wird an Stelle des Verteilers eingesetzt. Unter die Sensoreinheit wird ein Läufer mit einem Magneten in der Nut des Verteilerantriebs arretiert (Bilder folgen). Der Magnet dreht an dem Sensor vorbei und gibt das Signal an das Steuergerät. Damit kann das Steuergerät an Hand der definierten Zündfolge und dem Kurbelwellepositionssignal genau den richtigen Zylinder mit dem notwendigen Zündfunken versorgen.

Wenn der Läufer unter dem Sensor entsprechend bestückt wird (Bohrungen für mehr Magneten vorhanden), dann ist auch eine Plug and Play Umrüstung (sequentiell) ohne Kurbelwellensensor möglich. Die Genauigkeit der Abtastung sinkt leicht, dürfte aber in den meisten Fällen ausreichen.
Sensoreinheit eingesetzt

Sensoreinheit anderer Blickwinkel
Die Sensoreinheit wird von der Klammer des Verteilers festgehalten und muss einmal justiert werden (wartungsarm).

Ich durfte bei Markus Schmitt hinter die Kulissen schauen und habe vor Ort gesehen an was er gerade arbeitet. Da kommen noch weitere interessante Produkte.
Auch durfte ich Prototypen der hier gezeigten Sensoreinheit sehen. Man erhält einen Eindruck wieviel Aufwand beim Produktdesign entsteht. Auch die einzelnen Schritte zur Komplettierung der Sensoreinheit ist mit manuellen Arbeiten verbunden. All das muss verrechnet werden können. Ich bin auf den Preis von der finalen Sensoreinheit gespannt. Auf alle Fälle ist dieses Produkt eine Bereicherung für Typ4 und Typ1 (passt auch hier) Motoren. Es ist das einzige mit bekannte, käufliche System.

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